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2016 ent­deck­tes Hor­mon könn­te mög­li­cher­wei­se dabei hel­fen Typ 2 Dia­be­tes und Fett­lei­big­keit zu bekämp­fen.
Ame­ri­ka­ni­sche For­scher iden­ti­fi­zier­ten und benann­ten ein auf natür­li­che Wei­se von wei­ßem Fett­ge­we­be her­ge­stell­tes Hor­monAsp­ro­sin (engl. Wiki­pe­dia)

Kurz­in­fo: Asp­ro­sin als fas­ten­in­du­zier­tes Glu­co­se frei­set­zen­des Pro­te­in­hor­mon ent­deckt – Asp­ro­sin akti­viert die Glu­ko­se­ab­ga­be der Leber unter Ver­wen­dung von cAMP als sog. “Second Mes­sen­ger” – Asp­ro­sin­wer­te sind bei Men­schen und Mäu­sen mit  Insu­lin­re­sis­tenz und deut­li­chem Über­ge­wicht patho­lo­gisch erhöht – Asp­ro­sin­re­duk­ti­on schützt gegen den Insu­lin­über­schuss auf­grund eines meta­bo­li­schen Syndroms

Wie so oft ent­deck­te man das Hor­mon rein zufäl­lig, als man auf der Suche nach Ant­wor­ten bezüg­lich ihrer Erkran­kung die Gene zwei­er Men­schen ermit­tel­te, die unter einem sel­te­nen Gen-Defekt lei­den – dem neo­na­ta­len pro­ge­ro­iden Syn­drom (engl. NPS, dt. auch Wie­demann-Rau­ten­strauch-Syn­drom genannt).

Die­se Erkran­kung führt dazu, dass Betrof­fe­ne von Geburt an u.a. an einem star­ken Man­gel an Kör­per­fett lei­den, was wie­der­um eine gan­ze Rei­he an wei­te­ren Pro­ble­men nach sich zieht.

Der Gene­ti­ker und Stu­di­en­lei­ter Dr. med. Atul Chop­ra vom Bay­lor Col­lege of Medi­ci­ne fand bereits 2013 mit einer Arbeits­grup­pe her­aus, dass die­se Men­schen sich spe­zi­ell des­halb so müde, schwach und lethar­gisch füh­len, weil ihnen ein ein­zel­nes Hor­mon fehlt – eben jenes Hor­mon, dass die For­scher spä­ter Asp­ro­sin nen­nen würden. 

Asp­ro­sin wird, wie ein wei­te­rer essen­zi­ell wich­ti­ger Stoff namens Fibril­lin, über das Gen FBN1 gene­riert.
Laut Chop­ra könn­te die­se Ent­de­ckung im Zusam­men­hang mit der höchst sel­te­nen Erkran­kung NPS (WRS) inzwi­schen auch dazu bei­tra­gen, das Leben von Mil­lio­nen von Typ-2-Dia­be­ti­kern zu verbessern.

Dr. Atul Chopra, Baylor College of Medicine
Dr. Atul Chop­ra, Bay­lor Col­lege of Medicine

Der Energieschub zwischen den Mahlzeiten

Maus­expe­ri­men­te zeig­ten, dass das neu ent­deck­te Hor­mon beson­ders in der Zeit zwi­schen den Mahl­zei­ten eine äußerst wich­ti­ge Rol­le bei der kör­per­ei­ge­nen Bestim­mung und Jus­tie­rung des Blut­zu­cker­spie­gels spielt. Damit hat es im Zusam­men­hang mit der Gly­ko­ge­no­ly­se (der Zucker­frei­set­zung ins Blut) einen ver­gleich­ba­ren Stel­len­wert wie bspw. Adre­na­lin und Glu­ca­gon. Insu­lin hin­ge­gen hemmt die Glykogenolyse.

Von wei­ßen Fett­zel­len abge­son­dert geht Asp­ro­sin in die Leber und löst dort über die Akti­vie­rung der so genann­ten G‑Pro­te­in-cAMP-PKA-Kas­ka­de die sofor­ti­ge Frei­ga­be von Glu­co­se ins Blut aus. Steigt der Blut­zu­cker­spie­gel, wird die Abga­be von Asp­ro­sin wie­der beendet.

Die For­scher ent­deck­ten: da den bei­den getes­te­ten Per­so­nen mit NPS die­ser spe­zi­el­le Mecha­nis­mus fehlt, füh­len Sie sich auch dau­er­haft schwach, müde und antriebs­los. Und das obwohl eine der bei­den NPS-Pati­en­ten, berich­te­te, sie hät­te sehr oft Hun­ger und wür­de dann in ers­ter Linie ver­gleichs­wei­se gro­ße Men­gen an süßen Nah­rungs­mit­teln (also ener­gie­rei­che Koh­len­hy­dra­te) und erst danach pro­te­in­hal­ti­ges zu sich nehmen.

Für den Dia­be­to­lo­gen Dr. med. Alan Cher­ring­ton von der Van­der­bilt Uni­ver­si­ty in Nash­ville Ten­nes­see zählt bei die­ser Ent­de­ckung spe­zi­ell der Umstand, dass Asp­ro­sin die Leber erreicht und dort die Über­pro­duk­ti­on von Glu­co­se akti­viert – schließ­lich ist eben die­se Über­pro­duk­ti­on einer der Schlüs­sel­fak­to­ren bei der Typ 2 Diabetes.

Asprosin aufspüren und blockieren

Mein Traum wäre, dass Men­schen die Insu­lin zu sich neh­men müs­sen, den Stoff ent­we­der redu­zie­ren oder gar ganz dar­auf ver­zich­ten kön­nen” sag­te Chop­ra. Sei­ner Mei­nung nach kön­ne man mög­li­cher­wei­se mit spe­zi­el­len Anti­kör­pern, ein­mal wöchent­lich gege­ben, die Asp­ro­sin­pro­duk­ti­on blo­ckie­ren und damit auch die Glu­co­se­aus­schüt­tung redu­zie­ren. Das wie­der­um hät­te zur Fol­ge, dass die­se Pati­en­ten ent­we­der weni­ger oder gar kein Insu­lin mehr zu sich neh­men müssten.

Chop­ra sprach sich dane­ben auch für die gene­rel­le Erfor­schung spe­zi­ell der sel­te­nen Erkran­kun­gen auf­grund von Gen­de­fek­ten aus: “Dar­in (also sol­chen Ent­de­ckun­gen) liegt der Wert sel­te­ne mensch­li­che Gen­er­kran­kun­gen zu stu­die­ren. Manch­mal kann sich eine sol­che Bemü­hung auf eine deut­lich grö­ße­re Men­ge an Men­schen aus­wir­ken als auf die gerin­ge Anzahl derer mit denen alles begann.

Die Arbeits­grup­pe um Dr. Chop­ra hat bereits ein Patent auf das Hor­mon ange­mel­det und tes­tet der­zeit einen Asp­ro­sin-blo­ckie­ren­den Anti­kör­per. Mit die­sem wer­den im Rah­men von Labor­ver­su­chen zucker­kran­ke Mäu­se erfolg­reich behan­delt. Ver­ab­reicht man die­sen Mäu­sen die ent­spre­chen­den Anti­kör­per, ver­bes­sern sich die Spie­gel von Blut­zu­cker und Insu­lin – was wie­der­um eine neue Behand­lung von Dia­be­tes ermög­licht.
Man hofft dar­auf, schon in weni­gen Jah­ren mit den Sicher­heits­ver­suchs­rei­hen am Men­schen begin­nen zu können.

Wie Chop­ras Grup­pe außer­dem her­aus­fand, könn­te Asp­ro­sin auch eine Rol­le bei Adi­po­si­tas/Fettleibigkeit und gene­rell star­ker Gewichts­zu­nah­me spie­len.
Wäh­rend Men­schen mit NPS auf­grund feh­len­dem Asp­ro­sin extremst schlank sind, haben fett­lei­bi­ge Men­schen einen dop­pelt so hohen Anteil an Asp­ro­sin im Blut als nor­mal­ge­wich­ti­ge Per­so­nen. Laut dem Gene­ti­ker wer­den Fett­lei­big­keit und Über­ge­wicht bei kom­men­den Stu­di­en im Mit­tel­punkt ste­hen, denn es ist denk­bar, dass mit anstei­gen­dem Kör­per­fett auch der Asp­ro­sin­ge­halt ent­spre­chend ansteigt – mit den nun erklär­ba­ren Folgen.

Sie­he auch: 
Jour­nal­re­fe­renz: Cell, DOI: 10.1016/j.cell.2016.02.063
(engl.) http://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674%2816%2930213–6
(engl.) https://www.newscientist.com/article/2084433-newly-discovered-hormone-could-fight-type-2-diabetes-and-obesity
(engl.) https://www.bcm.edu/news/diabetes/asprosin-hormone-treatment-diabetes 

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