Gürtelrose – Was kann man tun?

Bild: Lizzy Tewordt - pixelio.de

Bild: Lizzy Tewordt - pixelio.de

Die Gürtelrose entsteht aus der Reaktivierung einer früheren Windpockeninfektion, also einer Infektion mit Varizellen (hier Varizella Zoster). Dieses “Wiedererwachen” erfolgt i.d.R. aufgrund eines geschwächten Immunsystems.
Seit Aufnahme der Varizellen in §6 des deutschen Infektionsschutzgesetz am 28. März 2013 dürfen Heilpraktiker eine akute Gürtelrose als solche nicht mehr behandeln. Die direkte Erregertherapie ist demnach Aufgabe der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen.

Was die Natur- und Erfahrungsheilkunde hier und in unzähligen anderen Fällen jedoch flankierend zu leisten vermag, zielt auf die generelle Stärkung des offensichtlich geschwächten Immunsystems und damit auf die Unterstützung der körpereigenen Heilungskräfte ab. Eine Reihe von Heil- und Nutzpflanzen bieten einfache Möglichkeiten von der Abwehrstärkung bis zur Schmerzlinderung. Ich erwähne in diesem Text jedoch nur solche Pflanzen, die auch schon im eigenen Praxis-Einsatz im Zusammenhag mit der Gürtelrose Wirkung zeigten. Selbstverständlich sind die nachfolgenden Informationen nur zur allgemein zulässigen Selbsthilfe in vergleichsweise einfachen und unkomplizierten Fällen gedacht. Im Akutzustand begeben Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung!

 

In flüssiger Form, zum trinken und einreiben

Graubehaarte Zistrose - Cistus Incanus - von André Karwath - wikimedia commons

Graubehaarte Zistrose – Cistus Incanus – von André Karwath – wikimedia commons

 

Zistrose, Graubehaarte Zistrose, Cistus incanus

Die therapeutisch äußerst vielseitige Zistrose war schon in der Antike ein bekanntes Heilmittel im Mittelmeerraum. Vom Tee aus der Zistrose, die man wie andere Kräuter auch entweder online oder über die örtliche Apotheke beziehen kann, trinkt man “einfach so” üblicherweise am Tag zwischen 2-4 Tassen. Im erhöhten Bedarfsfall kann man aber bis zu zwei Kannen täglich genießen. Wobei genießen aufgrund des markanten Geschmacks durchaus “Geschmackssache” sein kann. Der Sud kann daneben auch zum abtupfen betroffener Hautstellen genutzt werden. Neben der Einsatzmöglichkeit im Fall der Gürtelrose gibt es noch viele weitere, auf die ich aber an dieser Stelle nicht weiter eingehen werde.

Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Graubehaarte_Zistrose
http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/23-cistus-incanus.html
http://www.astrid-fiebich.de/node/181
http://www.heilkraeuter.de/lexikon/zistrose.htm

Graubehaarte Zistrose - Cistus Incanus - von André Karwath - wikimedia commons

Graubehaarte Zistrose – Cistus Incanus – von André Karwath – wikimedia commons

 

Zubereitung von Cistus-Sud und Cistus-Tee

Den Sud erhält man, wenn man ca. 10 gr Kraut mit 100 – 200 ml Wasser 5 Minuten kochen lässt.
Danach wird das Kraut abgesiebt  und der Sud in ein geeignetes Gefäß umgefüllt. Gute zwei Tage kann der Sud danach im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Für den Tee 1 Handvoll Zistrosenkraut (ca. 10 gr) in einen Kochtopf geben, mit 1 Liter Wasser aufgießen und zum Kochen bringen.
Oder man gibt pro Tasse einen Teelöffel Kraut (ca 2 gr) in einen Teeaufgussbeutel oder in ein Teesieb/-ei und übergießt wie bei allen Tees das ganze mit heißem Wasser.
Am besten bereitet man Zistus-Tee wie beispielsweise grünen Tee zu – also nicht länger als 5 Minuten ziehen lassen, es sei denn man mag es gern bitter.
Wen das nicht stört, der kann den ersten Aufguss aber mit dem gleichen Ansatz nochmal wiederholen.

Natürlich kann man den Tee jederzeit mit etwas Honig oder einer Scheibe unbehandelter Zitrone veredeln.
Zistustee eignet sich bestens als Abend-Getränk und ebenfalls zur Unterstützung der so genannten Urflora (also dem Bereich von Mund, Rachen und Magen)
Oder man geniesst ihn abends direkt vor dem Schlafengehen. Dann einfach langsam und schluckweise eine Tasse trinken, das entspannt und beruhigt zugleich.
Tee mit Milch ist für manche ohnehin schon schwierig, aber dem Zistrosentee sollte man Milch eher nicht hinzugeben.
Im Sommer schmeckt der Tee zum Beispiel auch mit einem Spritzer Zitronensaft, gekühlt und mit Eiswürfeln.

Hinweis: wegen des wertvollen Harzes kann es je nach Qualität des Krauts durchaus zu Verfärbungen am Zubereitungs- und/oder Trinkgeschirr kommen.
Eine solche “Patina” entsteht zwar auch bei anderen Teesorten, aber es kann ja nicht schaden das auch für diesen Fall vorher zu erfahren.

Zitronenmelisse - Melissa Officinalis - H. Zell - wikimedia commons

Zitronenmelisse – Melissa Officinalis – H. Zell – wikimedia commons

Zitronenmelisse - Melissa Officinalis - P. Wagner - wikimedia commons

Zitronenmelisse – Melissa Officinalis – P. Wagner – wikimedia commons

 

Zitronenmelisse, Melissa officinalis

Auch von dieser mächtigen Heilpflanze kann man im Bedarfsfalls bis zu zwei Kannen täglich genießen. Hinsichtlich ihrer therapeutischen Kraft im Zusammenhang mit der Gürtelrose gilt im wesentlichen dasselbe wie für die Zistrose.
Auch die Zironenmelisse kann zusammen mit Salbei zum abtupfen der Haut genutzt werden.
Die Zubereitung erfolgt wie bei der Zistrose, siehe oben.

Hinweis: Zistrose, Zitronenmelisse und Salbei lassen sich natürlich auch zusammen zu einem wunderbaren Gesundheitstee verarbeiten.

Siehe auch:
http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/97-melisse.html
http://www.awl.ch/heilpflanzen/melissa_officinalis/melisse.htm

Schwedenkräuter, alkoholische Lösung

Ein auch Schwedenbitter genannter, hochwirksamer „Kräuterschnaps“ – auch wenn es eher ein Kräutersud ist, der mit Alkohol haltbar gemacht wurde.
Diesen nutzt man therapeutisch u.a. äußerlich, also für Umschläge, zum einreiben und auftupfen, aber im passenden Fall auch innerlich. Schwedenkräuter kann man sich entweder als trockene Fertigmischung beschaffen und selbst ansetzen oder fertig abgefüllt in Flaschenform bekommen. Es gibt auch schon fertige Schwedenkräuter-Salben. Geht es nach den unzähligen Beiträgen im Netz kann man diese spezielle Lösung als therapeutische “Allzweckwaffe” ansehen, aber so weit wollen wir an dieser Stelle nicht gehen.

Leider gibt es für die Schwedenkräuter eine ganze Reihe unterschiedlicher Rezepte. Das “Eine” gibts also nicht. Aus eigener Erfahrung kenne und schätze ich das von mir selbst eingesetzte Rezept des “Großen Schwedenbitter” nach der Kräuterfrau Maria Treben. Von ihr heisst es zwar, dass sie selbst eher den “Kleinen Schwedenbitter” bevorzugte, aber wie Männer eben so sind halte ich auch hier mehr für besser :)

Die Anwendung erfolgt im Zusammenhang mit der Gürtelrose z.B. als Tupflösung oder als Umschlag.
Im zweiten Fall muss aber unbedingt auf ausreichende Einfettung der Haut geachtet werden, ansonsten kann es durchaus zu Hautirritationen kommen.

Siehe auch: http://www.schwedenbitter.de/zusammensetzung_schwedenbitter.php

 

Als Umschlag oder Auflage

Siehe auch:
http://heilen-mit-wasser.de/umschlaege/wickel-zusaetze.htm
http://www.familienhandbuch.de/gesundheit/zum-umgang-mit-kranken-kindern/aus-der-hausapotheke-von-mutter-natur-umschlage-und-wickel-fur-kinder

Salbei - Salvia officinalis - von Jörg Hempel - wikimedia commons

Salbei – Salvia officinalis – von Jörg Hempel – wikimedia commons

Mädesüß - Filipendula ulmaria - von Frank Vincentz - wikimedia commons

Mädesüß – Filipendula ulmaria – von Frank Vincentz – wikimedia commons

 

(Zitronen-)Melisse und Salbei-Umschlag/-Wickel

Man bereitet zuerst einen Sud aus (Zitronen-)Melisse und Salbei und löse – nur sofern man Aspirin also solches gut verträgt(!) – bis zu zwei normale Aspirintabletten darin auf.
Da der Hauptwirkstoff einer Aspirin-Tablette die Acetylsalicylsäure ist, welche ursprünglich aus der Rinde von Weiden oder aus Mädesüß gewonnen wurde, könnte man alternativ auch die beiden Naturstoffe direkt einsetzen, doch erscheint hier die Tablette ausnahmsweise als die einfachere Lösung. Wer es aber Pharmafrei vorzieht besorgt sich zur Melisse und zum Salbei einfach auch die Weidenrinde oder eben Mädesüß.
Wenn der Sud auf handwarm abgekühlt ist, taucht man ein zum Umschlag vorbereitetes Tuch komplett hinein und wringt es auf Handfeuchte aus. Danach legt man das feuchte Tuch lauwarm als Umschlag auf den betroffenen Hautabschnitt, wodurch Juckreiz und Schmerzen gelindert werden können. Auch heilt Ausschlag im besten Fall schneller ab.

Weißkohl-Umschlag

Weisskohl - Brassica-oleracea - von Biso - wikimedia commons

Weisskohl – Brassica-oleracea – von Biso – wikimedia commons

Frischer, saftiger Weißkohl ist das Zubehör für eine Kohlauflage. Von diesem nimmt man die großen Blätter, welche man wäscht und dann von der dicken Blattrippe befreit.
Danach gibt man die vorbereiteten Blätter in ein Sieb und dämpft sie für einige Minuten über einem Topf mit heißem Wasser. Sollte man die Wärme eher nicht mögen/vertragen kann man die Kohlblätter aber auch kalt auflegen.
Vor der Verwendung, egal ob warm oder kalt, walkt man die Blätter mit einem Nudelholz, bis sie möglichst umfassend zerquetscht und weich sind.
Nun legt man die Blätter auf die betroffene Haut, umwickelt das ganze mit einem dünnen Baumwolltuch und fixiert angemessen mit einer Mullbinde. Nach dieser Prozedur darf der Umschlag mehrere Stunden anliegen bleiben.
In der Volksheilkunde wiederholt man diese Anwendung so lange, bis man Besserung verspürt. Für gewöhnlich ist das bereits nach ein paar Tagen der Fall.

Mehrkraut-Umschlag

Hafer, Salbei, Kamille und Eichenrinde werden zu gleichen Teilen gemischt.
Von diesr Mischung gibt man 5 Esslöffel in einen Topf mit einem Liter kaltem Wasser und kocht den Ansatz auf, um ihn danach 15 Minuten ziehen zu lassen.
Nun wird ein frisches Leinentuch (Handtuch- nicht Betttuchgröße) in der warmen Flüssigkeit getränkt, leicht ausgewrungen und auf die betroffenen Hautpartien aufgelegt.
Mit einem trockenen Handtuch abgedeckt sollte man jetzt mindestens eine halbe Stunde lang ruhen und den Umschlag wirken lassen.

von Alexander Schoenhoff, HP

Heilpraktiker, Dozent, Coach, Mediendesigner, Autor ...und Mensch mit entsprechenden Kurven, Ecken und Kanten. :) Liebt heilen nicht weniger als helfen und lehren mindestens ebenso wie lernen.