Weihrauch als Heilmittel?

Probleme mit chronischen Entzündungen, allgemeinen und spezifischen Magen-Darmleiden, rheumatischen Beschwerden/Arthritiden, Psoriasis, Asthma bronchiale, Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa? Außer Cortison und anderen teils heftigen Pharmazeutika scheint nichts zu helfen und selbst damit gehts nur einigermaßen?
Dann wäre ein Versuch mit indischem Weihrauch eine gute Idee…

Weihrauch in der Therapie

Als ich das erste Mal davon hörte, dass man Weihrauch in Harzform auch einnehmen kann, war ich, wie wohl die meisten Menschen, ziemlich erstaunt. Bis dahin dachte ich nämlich, dass man damit nur räuchern kann…weit gefehlt!

Weihrauch, Bildquelle: Wikipedia

Weihrauch, Bildquelle: Wikipedia

Geschichte

Nach ein wenig Recherche stellte sich heraus, dass es sich dabei keineswegs um eine alternativ-medizinische Innovation oder moderne Wellness-Erscheinung handelt, sondern in der Tat um uraltes medizinisches Wissen, beispielsweise aus der indischen Heilkunst Ajurveda oder auch der orientalischen und afrikanischen Heilkunde.

Zu meinem Erstaunen fand ich heraus, dass Weihrauch in den frühen Jahrhunderten n.Chr. in der islamischen Welt z.B. durch Ärzte wie Avicenna, nahezu ausschließlich zu medizinischen Zwecken genutzt wurde.
Und auch in Europa wurde der wohlriechende Stoff in der Heilkunde eingesetzt. Die bei uns bekannte Hildegard von Bingen setzte Weihrauch u.a. bei Tinnitus und Schwerhörigkeit ein.

Mit dem Einsetzen der industriell betriebenen Pharmazie wurde das Olibanum genannte Weihrauchextrakt mehr und mehr verdrängt und 1941 schließlich aus dem Deutschen Arzneibuch gestrichen. Erst 2006 fand Weihrauch wieder Eingang in das Europäische Arzneibuch.

Wissenschaft

Die Heilkraft des indischen Weihrauchharzes “Boswellia Serrata” wirkt primär in Kapselform über das Trockenextrakt “Olibanum extractum” oder auch “Salai guggal“, abhängig von der eingenommenen Einzeldosis und der Qualität der Grundsubstanz. Die Wirkungen sind anti-entzündlich und damit im erweiterten Sinne in der Folge auch schmerzlindernd.

Hatte man anfangs mit der natürlich wechselhaften Zusammensetzung des Naturstoffs Harz durch die fehlende pharmakologische Standardisierbarkeit ein wissenschaftliches Problem, konnten inzwischen auch erste universitäre Studien wie z.b. die von Prof. Dr. Hermann Ammon von der Universität Tübingen eine grundsätzliche Wirksamkeit des Naturheilmittels durch die Substanz Acetyl-11-keto-b-Boswellia-Säure (AKBA) bestätigen.

Im Laborversuch konnte nachgewiesen werden, dass die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Verlauf der Weihrauchtherapie durch eben diese Boswelliasäuren (auch Triterpensäuren) deutlich weniger entzündungsfördernde Stoffe, sog. Leukotriene, absonderten.

Die Art und Weise wie das geschieht unterscheidet sich dabei grundsätzlich von der Wirkweise nicht-steroidaler Entzündungshemmer wie Diclofenac oder auch der Acetylsalicylsäure.

Weiterhin konnte in vitro (also umgangssprachlich “in der Laborschale”) festgestellt werden, das die Boswelliasäuren sowohl die Vermehrung von Krebszellen einschränken können als auch zum absterben von Tumorzellen führen können.

Bemerkenswert ist, dass solche Präparate in der Fachmedizin schon länger bei der Behandlung bestimmter Hirntumoren (Glioblastomen oder Astrozytomen) zur Rückbildung der dabei entstehenden Ödeme eingesetzt werden.

Dadurch dass es sich aber eben um ein nicht immer gleich zusammengesetztes Mittel mit ebenfalls nicht immer gleich vorhersagbaren Erfolgsaussichten handelt, ist eine generelle Empfehlung und offizielle Arzneimittelzulassung in Deutschland immer noch ein Problem.

Nebenwirkungen

Weihrauch hat einen eigenwilligen, würzigen, für mich persönlich aber nicht mal unangenehmen Geschmack, gut möglich dass diesen Geschmack der eine oder die andere aber nicht so gern hat.

Außer seltenen Hautrötungen und ebenso selten auftretenden, aber rasch abklingenden Magenbeschwerden gibt es bislang keine bekannten Nebenwirkungen. In Tierversuchen konnten selbst bei längerer Einnahme keine schädlichen Auswirkungen festgestellt werden. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es sich um das absolut reine Heilmittel handelt!

Disziplin

Disziplin ist wichtig bei der Therapie, denn Weihrauch ist kein pharmazeutisches Kortison. Es wirkt also bei weitem nicht so schnell wie dieses! Dafür hat es aber auch nicht dessen Nebenwirkungen.

Eine erste Wirkung (primär Schmerzlinderung durch verringerte Entzündungsneigung) wurde von den meisten Menschen erst nach 6-8 Wochen regelmäßiger Einnahme gemeldet. Aus der eigenen Praxis-Erfahrung erweitere ich diesen Zeitraum auf etwa 12 Wochen. Sollte sich nach diesem Zeitraum keine merkliche Verbesserung der bisherigen Symptome eingestellt haben sollten andere Wege angedacht werden.

Die empfohlene mittlere Tagesdosis liegt bei 1200 mg Trockenextrakt, also 3 Kapseln á 400 mg.

Diese Dosierungsangabe ist jedoch NICHT zum Selbstversuch gedacht, sondern sollte VORHER mit einem Arzt oder Heilpraktiker besprochen werden. Am Besten wäre es, selbige um therapeutische Begleitung beim “Selbstversuch” zu bitten.

Bezug

Eines der bekanntesten Präparate ist das in Indien hergestellte “Sallaki” das in Deutschland unter dem Namen H15 (Gufic) bekannt ist. Ein Direkteinkauf ist in Deutschland – meines derzeitigen Wissens nach – nicht möglich, da H15 keine Arzneimittelzulassung hat, aber der legale Bezug ist bei Verordnung durch Ärzte über Apotheken möglich.

Im Zusammenhang mit importierten Medikamenten gab es nicht nur in der Vergangenheit Probleme mit Belastungen durch Umweltgifte. Das galt und gilt gelegentlich auch heute noch speziell für importierte Billig-Rohstoffe aus Osteuropa, Indien und China. Auch deshalb gibt es durchaus Ärzte und Heilpraktiker die diese Präparate bewusst und der Sorgfaltspflicht entsprechend nicht empfehlen.

Von der Heilmittel-Bestellung bei undurchsichtigen Internet-Billiganbietern rate ich jedenfalls dringend ab!

Interessierte sollten sich beispielsweise mit einem erfahrenen Naturheilkunde- oder auch Ayurveda-Spezialisten in der Nähe in Verbindung setzen und dort nach “Boswellia Serrata” fragen. Diese Spezialisten haben sehr oft ihre zuverlässigen und sauberen Quellen zum weiteren Bezug.

Vor kurzem fand ich beim Anbieter Viabiona ein in Menge und Grundstoff passendes und nach eigener Testung auch zuverlässiges Präparat. Soll heißen, das ausgehend von der Einnahmeempfehlung in einer Kapsel min. 400 mg Extrakt enthalten sein sollten und das es eben “Boswellia Serrata” und kein anderes Harz sein sollte.

Weitere Quellen:

Anschließend noch ein Tipp für die Räucherfans:
Anstatt wie üblich das Harz auf einem Kohlestück abzubrennen, ist das schmelzen auf einer Duftlampen-artigen Vorrichtung deutlich weniger gesundheitsschädlich, da hierbei nicht die als krebserregend eingestuften Verbrennungsrückstände entstehen.

von Alexander Schoenhoff, HP

Heilpraktiker, Dozent, Coach, Mediendesigner, Autor ...und Mensch mit entsprechenden Kurven, Ecken und Kanten. :) Liebt heilen nicht weniger als helfen und lehren mindestens ebenso wie lernen.

Das könnte Sie auch interessieren...

%d Bloggern gefällt das: