HEILPRAXIS SCHOENHOFF

Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Weihrauch als Heilmittel?

von Alex­an­der Schoe­n­hoff, HP

Pro­ble­me mit chro­ni­schen Ent­zün­dun­gen, all­ge­mei­nen und spe­zi­fi­schen Magen-Darm­lei­den, rheu­ma­ti­schen Beschwerden/Arthritiden, Pso­ria­sis, Asth­ma bron­chia­le, Mor­bus Crohn oder Coli­tis Ulce­ro­sa? Außer Cor­ti­son und ande­ren teils hef­ti­gen Phar­ma­zeu­ti­ka scheint nichts zu hel­fen? Und selbst damit gehts nur eini­ger­ma­ßen?
Dann könn­te sich mög­li­cher­wei­se ein Ver­such mit Weih­rauch als gute Idee erwei­sen…

Weihrauch in der Therapie

Als ich das ers­te Mal davon hör­te, dass man Weih­rauch in Harz­form auch als Heil­mit­tel ein­neh­men kann, war ich, wie wohl die meis­ten Men­schen, ziem­lich erstaunt. Bis dahin dach­te ich näm­lich, dass man damit nur räu­chern kann…weit gefehlt! Tat­säch­lich kann man die Harz­trop­fen sogar wie einen zähen Kau­gum­mi ver­wen­den. Wers dann ungern an den Zäh­nen kle­ben hat, nutzt die Klümp­chen auch ein­fach als natür­li­che Lutsch­bon­bons. 

So klappt das übri­gens auch mit hei­mi­schem Kiefern‑, Tan­nen oder Fich­ten­harz ziem­lich gut. Man kann die Harz­t­rä­nen auch pul­ve­ri­sie­ren und dann bei­spiels­wei­se als Tee trin­ken. In Afri­ka, Ägyp­ten, Indi­en und im Oman neh­men Men­schen ver­mut­lich schon seit Jahr­hun­der­ten das Harz der dort hei­mi­schen Weih­rauch­bäu­me auch inner­lich ein. Das alles ist aber hier nicht unser The­ma. 
Deut­lich wirk­sa­mer, prak­ti­scher und leich­ter in der the­ra­peu­ti­schen Ver­wen­dung ist Weih­rauch als ver­kap­sel­tes Pul­ver.

Wich­tig: in Deutsch­land hat Weih­rauch­harz weder eine Frei­ga­be als Nah­rungs­mit­tel, noch als Medi­ka­ment!

Geschichte

Nach ein wenig Recher­che stell­te sich her­aus, dass es sich bei die­sem Natur­stoff kei­nes­wegs um eine alter­na­tiv­me­di­zi­ni­sche Inno­va­ti­on oder moder­ne Well­ness-Erschei­nung han­delt, son­dern in der Tat um uraltes medi­zi­ni­sches Wis­sen, bei­spiels­wei­se aus der indi­schen Heil­kunst Aju­r­ve­da oder auch der ori­en­ta­li­schen und afri­ka­ni­schen Heil­kun­de.

Zu mei­nem Erstau­nen fand ich her­aus, dass Weih­rauch in den frü­hen Jahr­hun­der­ten n.Chr. in der isla­mi­schen Welt z.B. durch Ärz­te wie Avicen­na, nahe­zu aus­schließ­lich zu medi­zi­ni­schen Zwe­cken genutzt wur­de.

Und auch in Euro­pa wur­de der wohl­rie­chen­de Stoff in der Heil­kun­de ein­ge­setzt. Die bei uns bekann­te Hil­de­gard von Bin­gen setz­te Weih­rauch u.a. bei Tin­ni­tus und Schwer­hö­rig­keit ein.

Mit dem Beginn der indus­tri­ell betrie­be­nen Phar­ma­zie wur­de das Oli­ba­num genann­te Weih­rauch­ex­trakt mehr und mehr ver­drängt und 1941 schließ­lich aus dem Deut­schen Arz­nei­buch gestri­chen. Erst 2006 fand Weih­rauch wie­der Ein­gang in das Euro­päi­sche Arz­nei­buch.

Weihrauch-Tropfen, Bild: Peter Presslein, wikipedia
Weih­rauch-Trop­fen, Bild: Peter Press­lein, wiki­pe­dia

Wissenschaft

Die Heil­kraft des indi­schen Weih­rauch­har­zes “Bos­wel­lia Ser­ra­ta” wirkt pri­mär in Kap­sel­form über das Tro­cken­ex­trakt “Oli­ba­num extrac­tum” oder auch “Salai gug­gal“, abhän­gig von der ein­ge­nom­me­nen Ein­zel­do­sis und der Qua­li­tät der Grund­sub­stanz. Die Wir­kun­gen sind anti-ent­zünd­lich und damit im erwei­ter­ten Sin­ne in der Fol­ge auch schmerz­lin­dernd.

Hat­te man anfangs mit der natür­lich wech­sel­haf­ten Zusam­men­set­zung des Natur­stoffs Harz durch die feh­len­de phar­ma­ko­lo­gi­sche Stan­dar­di­sier­bar­keit ein wis­sen­schaft­li­ches Pro­blem, konn­ten inzwi­schen auch ers­te uni­ver­si­tä­re Stu­di­en wie z.b. die von Prof. Dr. Her­mann Ammon von der Uni­ver­si­tät Tübin­gen eine grund­sätz­li­che Wirk­sam­keit des Natur­heil­mit­tels durch die Sub­stanz Ace­tyl-11-keto-b-Bos­wel­lia-Säu­re (AKBA) bestä­ti­gen.

Im Labor­ver­such konn­te nach­ge­wie­sen wer­den, dass die wei­ßen Blut­kör­per­chen (Leu­ko­zy­ten) im Ver­lauf der Weih­rauch­the­ra­pie durch eben die­se Bos­wel­li­asäu­ren (auch Tri­ter­pen­säu­ren) deut­lich weni­ger ent­zün­dungs­för­dern­de Stof­fe, sog. Leu­ko­trie­ne, abson­der­ten.

Die Art und Wei­se wie das geschieht unter­schei­det sich dabei grund­sätz­lich von der Wirk­wei­se nicht-ste­ro­ida­ler Ent­zün­dungs­hem­mer wie Diclo­fe­nac oder auch der Ace­tyl­sa­li­cyl­säu­re.

Wei­ter­hin konn­te in vitro (umgangs­sprach­lich “in der Laborscha­le”) fest­ge­stellt wer­den, dass die Bos­wel­li­asäu­ren sowohl die Ver­meh­rung von Krebs­zel­len ein­schrän­ken kön­nen als auch zum abster­ben von Tumor­zel­len füh­ren kön­nen.

Bemer­kens­wert ist, dass sol­che Prä­pa­ra­te in der Fach­me­di­zin schon län­ger bei der Behand­lung bestimm­ter Hirn­tu­mo­ren (Glio­blas­to­men oder Astro­zy­to­men) zur Rück­bil­dung der dabei ent­ste­hen­den Öde­me ein­ge­setzt wer­den.

Dadurch dass es sich aber eben um ein nicht immer gleich zusam­men­ge­setz­tes Mit­tel mit eben­falls nicht immer gleich vor­her­sag­ba­ren Erfolgs­aus­sich­ten han­delt, ist eine gene­rel­le Emp­feh­lung und offi­zi­el­le Arz­nei­mit­tel­zu­las­sung in Deutsch­land immer noch ein Pro­blem.

Sind es also nur die Bos­wel­li­asäu­ren (von denen es übri­gens mehr als eine gibt), die dem Weih­rauch sei­ne hei­len­de Wir­kung ver­lei­hen? Ver­mut­lich nicht.
Erstaun­lich ist jeden­falls, das Bos­wel­lia Fre­rea­na so gut wie kei­ne Bos­wel­li­asäu­ren und auch nur weni­ge Gum­men, den natür­li­chen Gum­mi­an­teil ent­hält, aber den­noch in Stu­di­en eine Wirk­sam­keit bei Ent­zün­dun­gen und Knor­pel­ab­bau zuge­schrie­ben bekam.

Ich kann mir sehr gut vor­stel­len, dass Weih­rauch, wie vie­le ande­re pflanz­li­chen Heil­mit­tel, sei­ne Wir­kung immer dann am bes­ten ent­fal­ten kann, wenn er in mög­lichst kom­plet­ter, also mög­lichst natür­li­cher Form ein­ge­setzt wird. Die Iso­la­ti­on ein­zel­ner Stof­fe ist eher für Her­stel­ler von Vor­teil. Vor allem wohl auch des­halb, weil nur che­misch nach­ge­bau­ten Ver­bin­dun­gen paten­tiert und kom­plett stan­dar­di­siert wer­den kön­nen.

Nebenwirkungen

Weih­rauch hat, als Harz kon­su­miert, einen mar­kan­ten, eigen­wil­li­gen, wür­zi­gen, für mich per­sön­lich aber ange­neh­men Geschmack.
Gut mög­lich dass der eine oder die ande­re die­sen Geschmack jedoch nicht so gern hat. Bei der gro­ßen Aus­wahl an unter­schied­lichs­ten Roh­har­zen ist das aber kein Pro­blem.

Außer gele­gent­li­chem Auf­sto­ßen, sel­te­nen Haut­rö­tun­gen und eben­so sel­ten auf­tre­ten­den, aber rasch abklin­gen­den Magen­be­schwer­den gibt es bis­lang kei­ne bekann­ten Neben­wir­kun­gen. In Tier­ver­su­chen konn­ten selbst bei län­ge­rer Ein­nah­me kei­ne schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen fest­ge­stellt wer­den.
Vor­aus­set­zung dafür ist natür­lich, dass es sich um das abso­lut rei­ne Heil­mit­tel han­delt, nicht um ein belie­bi­ges zweck­ent­frem­de­tes Räu­cher­harz!

Disziplin in der Anwendung

Die Selbst­dis­zi­plin des Pati­en­ten ist immer wich­tig in der The­ra­pie, denn auch Weih­rauch ist kein phar­ma­zeu­ti­sches Kor­ti­son. Es wirkt also bei wei­tem nicht so schnell wie die­ses! Dafür hat es aber auch nicht des­sen Neben­wir­kun­gen. Geduld ist also ange­sagt.

Eine ers­te Wir­kung (pri­mär Schmerz­lin­de­rung durch ver­rin­ger­te Ent­zün­dungs­nei­gung) wur­de von den meis­ten Men­schen erst nach 6–8 Wochen regel­mä­ßi­ger Ein­nah­me gemel­det. Aus der eige­nen Pra­xis-Erfah­rung erwei­te­re ich die­sen Zeit­raum auf etwa 12 Wochen. Hat sich nach die­sem Zeit­raum kei­ne merk­li­che Ver­bes­se­rung der bis­he­ri­gen Sym­pto­me ein­ge­stellt, soll­ten ande­re Wege ange­dacht wer­den.

Die emp­foh­le­ne mitt­le­re Tages­do­sis liegt bei 1200 mg Tro­cken­ex­trakt, also 3 Kap­seln á 400 mg.

Die­se Dosie­rungs­an­ga­be ist jedoch NICHT zum Selbst­ver­such gedacht, son­dern soll­te VOR­HER mit einem Arzt oder Heil­prak­ti­ker bespro­chen wer­den.
Am Bes­ten wäre es, sel­bi­ge um the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung beim “Selbst­ver­such” zu bit­ten.

Bezug

In einer Stu­die der Uni­ver­si­tät Ulm (Sep­tem­ber 2019) wur­den von 16 Pro­duk­ten 3 deut­sche Prä­pa­ra­te qua­li­ta­tiv am bes­ten bewer­tet: 

 
Eines der bekann­tes­ten Prä­pa­ra­te ist das in Indi­en her­ge­stell­te “Sal­la­ki”. In Deutsch­land ist es unter dem Namen H15 (Gufic) bekannt.
Die H15 Ayur­me­di­ca wer­den von Gufic, Mum­bay, Indi­en, für den indi­schen Markt her­ge­stellt und via Export an die Phar­ma­san GmbH, Frei­burg, gelie­fert. Der Direkt­ein­kauf war in Deutsch­land lan­ge nur über ein ärt­z­li­ches Rezept und dann auch nur über die Bestel­lung bei inter­na­tio­na­len Apo­the­ken mög­lich. Inzwi­schen ist die­ses Prä­pa­rat aber auch außer­halb von Apo­the­ken erhält­lich. 
In der vor­ge­nann­ten Stu­die schnitt H15 eher mit­tel­mä­ßig ab.
 

Billigprodukte? Besser nicht!

Bei diver­sen impor­tier­ten Prä­pa­ra­ten gab es nicht nur in der Ver­gan­gen­heit Pro­ble­me mit Belas­tun­gen durch Umwelt­gif­te. Das gilt auch für Weih­rauch-Pro­duk­te.

Die­se Ver­un­rei­ni­gun­gen sind ver­mut­lich in Fol­ge der Ver­ar­bei­tung und Auf­be­rei­tung ent­stan­den, denn das Roh­harz gilt bis­lang schon auf­grund der Abbau­ge­bie­te als sehr rein. Das Ver­un­rei­ni­gun­gen aber vor­kom­men, galt und gilt gele­gent­lich auch heu­te spe­zi­ell – aber nihct nur – für impor­tier­te Bil­lig-Roh­stof­fe aus Ost­eu­ro­pa, Indi­en und Chi­na.
Auch des­halb gibt es Ärz­te und Heil­prak­ti­ker, die Bil­lig­prä­pa­ra­te per se bewusst und der Sorg­falts­pflicht ent­spre­chend ableh­nen.

Ganz all­ge­mein raten auch wir von der Heil­mit­tel-Bestel­lung bei undurch­sich­ti­gen Inter­net-Bil­lig­an­bie­tern drin­gend ab!
Sich “mal eben” irgend­wel­chen Weih­rauch zu kau­fen und den “auf gut Glück” ein­zu­neh­men, ist nicht der rich­ti­ge Weg.
Zum einen des­halb, weil man für gewöhn­lich kei­ne Grund­la­ge dafür hat, wel­cher Weih­rauch von wel­chem Händ­ler nun am bes­ten geeig­net sein könn­te.
Zum ande­ren, weil man sich bei der the­ra­peu­tisch wirk­sa­men Dosie­rung schwer­tun dürf­te, noch dazu, wenn man die unzäh­li­gen Weih­rauch­ar­ten nicht aus­ein­an­der­hal­ten kann. Und wer dann noch von Weih­rauch die glei­che rasche Wir­kung wie bei­spiels­wei­se von Kor­ti­son erwar­tet, kann nur ent­täuscht wer­den.

Es uns in jedem Fall sinn­vol­ler, den Ver­such mit Weih­rauch – und jeder ande­ren Natur­sub­stanz – immer unter­stützt und beglei­tet durch einen natur­heil­kund­lich arbei­ten­den Arzt oder einen eben­sol­chen Heil­prak­ti­ker vor­zu­neh­men.

Vor­sicht bei Wer­be­aus­sa­gen wie: “Pro­dukt … mit über 80% Bos­wel­li­asäu­ren!
Mar­ke­ting geht auch hier vor Mes­sung. Im Rah­men der vor­ge­nann­ten Ulmer Stu­die wur­de qua­si “neben­bei” fest­ge­stellt, dass die­se Anga­ben sehr oft über­höht sind.
Gehen Sie bei sol­chen Aus­sa­gen bes­ten­falls von etwas weni­ger als der Hälf­te des über­höht bewor­be­nen Wer­tes aus.
An der Wirk­sam­keit eines bestimm­ten Prä­pa­rats ändert der tat­säch­lich ana­ly­sier­te gerin­ge­re Gehalt an Bos­wel­li­asäu­ren wohl nichts, denn die Stu­di­en unter­such­ten die Wirk­sam­keit bestimm­ter Pro­duk­te im Zusam­men­hang mit bestim­ten Erkra­kun­gen, nicht vor­ran­gig den Unter­schied im Säu­ren­ge­halt.
So zu wer­ben hat aber durch­aus einen beträcht­li­chen Anteil dar­an, wie Ver­bau­cher animiert/manipuliert wer­den etwas zu kau­fen.
Das Bos­wel­li­säu­ren ermit­tel­ba­re Wir­kun­gen haben ist wis­sen­schaft­lich belegt.

Anschlie­ßend noch ein Tipp für die Räuch­er­fans:
Anstatt wie üblich das Harz auf einem Koh­le­stück abzu­bren­nen, ist das schmel­zen auf einer Duft­lam­pen-arti­gen Vor­rich­tung deut­lich weni­ger gesund­heits­schäd­lich, da hier­bei nicht die als krebs­er­re­gend ein­ge­stuf­ten Ver­bren­nungs­rück­stän­de ent­ste­hen.

Weitere Quellen

Nach oben